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Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum bestimmte Cannabis-Sorten (oft als “Indica” bezeichnet) oder CBD-Öle extrem müde machen und Sie förmlich in das Sofa drücken, während andere eher beleben? 

Die Antwort liegt meist nicht im CBD- oder THC-Gehalt, sondern in einem unsichtbaren, duftenden Molekül: Myrcen.

Myrcen (oder Beta-Myrcen) ist das am häufigsten vorkommende Terpen in der modernen Hanfpflanze. Es ist der “Türsteher”, der entscheidet, wie intensiv Cannabinoide wirken. In diesem Artikel tauchen wir tief in die Biochemie ein und erklären das Phänomen des “Mango-Effekts”.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Myrcen? Das Aroma der Erde

Chemisch gesehen ist Myrcen ein Monoterpen. Es ist der Vorläuferstoff für viele andere Terpene.

  • Das Aroma: Wenn Sie an einem hochwertigen Vollspektrum CBD Öl riechen und eine erdige, moschusartige, leicht würzige Note (ähnlich wie Nelken) wahrnehmen, riechen Sie Myrcen.

  • Vorkommen in der Natur: Es findet sich nicht nur in Hanf, sondern auch in Hopfen (deshalb macht Bier müde!), Thymian, Zitronengras und vor allem in Mangos.


Die Wirkung: Warum Myrcen der “Schlaf-König” ist

In der Cannabis-Forschung wird Myrcen oft für den berühmten “Couch-Lock”-Effekt verantwortlich gemacht. Das ist das Gefühl tiefer körperlicher Schwere und Entspannung.

Studien deuten auf drei Hauptwirkungen hin:

  1. Sedierung (Beruhigung): Myrcen wirkt stark beruhigend auf das zentrale Nervensystem. In der Volksmedizin wird Zitronengras-Tee (reich an Myrcen) seit Jahrhunderten als Schlafmittel genutzt.

  2. Muskelrelaxation: Es zeigt Potenzial, Muskelkrämpfe zu lösen, was es für Sportler und Schmerzpatienten interessant macht.

  3. Entzündungshemmung: Es blockiert bestimmte Entzündungsmarker (Prostaglandine), ähnlich wie leichte Schmerzmittel.


Der “Mango-Effekt”: Mythos oder Wahrheit?

Im Internet kursiert der Tipp: “Iss eine Mango 45 Minuten vor dem Cannabis/CBD-Konsum, und die Wirkung wird stärker.” Ist das nur ein Kiffer-Mythos? Nein, es gibt eine wissenschaftliche Basis.

Der Schlüssel liegt in der Blut-Hirn-Schranke. Myrcen hat die einzigartige Fähigkeit, die Permeabilität (Durchlässigkeit) der Zellmembranen zu erhöhen. Vereinfacht gesagt: Myrcen öffnet die Tür zum Gehirn einen Spalt breiter.

  • Der Synergie-Effekt: Wenn Sie viel Myrcen im Blut haben (z.B. durch eine reife Mango oder ein myrcenreiches CBD Öl), können Cannabinoide wie CBD schneller und in größerer Menge die Blut-Hirn-Schranke passieren.

  • Das Ergebnis: Die Wirkung tritt schneller ein und wird oft als intensiver und länger anhaltend wahrgenommen.

Myrcen und CBD: Ein perfektes Paar für die Nacht

Warum ist Myrcen für CBD-Nutzer so wichtig? Reines CBD (Isolat) wirkt oft eher wach machend oder neutral. Erst durch die Kombination mit Terpenen erhält das Öl eine “Richtung”. Ein Vollspektrum CBD Öl mit hohem Myrcen-Gehalt lenkt die Wirkung gezielt in Richtung Schlaf und physische Entspannung.

Tipp für den Kauf: Achten Sie auf Laboranalysen. Ein gutes “Abend-Öl” sollte Myrcen als dominantes Terpen ausweisen. Wenn Sie Schlafprobleme haben, ist ein Isolat-Öl (ohne Terpene) oft weniger effektiv.

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Temperatur & Verdampfen

Für Nutzer, die CBD-Blüten verdampfen (vaping), ist der Siedepunkt wichtig.

  • Siedepunkt: Myrcen verdampft bereits bei ca. 166–168 °C.

  • Praxis-Tipp: Um die maximale beruhigende Wirkung zu erzielen, sollten Sie Ihren Vaporizer auf eine niedrige bis mittlere Temperatur einstellen. Bei zu hohen Temperaturen (über 200°C) verflüchtigt sich das Myrcen schnell oder verbrennt.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Myrcen

1. Macht Myrcen high?

Nein. Myrcen selbst ist ein Terpen (ein Duftstoff) und hat keine psychoaktive Wirkung. Es erzeugt keinen Rausch. Allerdings kann es die beruhigende Wirkung von Cannabinoiden verstärken, was zu einem Gefühl tiefer Entspannung führt.

 

2. In welchen Lebensmitteln ist am meisten Myrcen?

Die bekannteste Quelle ist die Mango. Aber auch Hopfen (Humulus lupulus) ist extrem reich an Myrcen – dies ist einer der Gründe, warum Hopfenextrakt in vielen pflanzlichen Schlafmitteln enthalten ist. Weitere Quellen sind Basilikum und Zitronengras.

 

3. Wie erkenne ich, ob mein CBD Öl Myrcen enthält?

Verlassen Sie sich auf Ihre Nase und das Laborzertifikat. Ein myrcenreiches Öl riecht “erdig”, “krautig” und ein bisschen nach Wald oder Nelken. Öle, die nur nach Zitrone riechen, enthalten meist eher Limonen (das eher belebt).

 

4. Ist Myrcen gefährlich?

Myrcen ist von der FDA und in der EU als sicherer Aromastoff (GRAS – Generally Recognized As Safe) für Lebensmittel zugelassen. In extrem hohen Konzentrationen (die durch normalen Konsum nicht erreicht werden) kann es reizend wirken.

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Wissenschaftliche Quellen & Studien

 

  1. Sedierende Wirkung (Zitronengras-Tee Studie)

    • Titel: “Central effects of citral, myrcene and limonene”

    • Erkenntnis: Diese klassische Studie an Nagetieren zeigte, dass Myrcen eine starke muskelrelaxierende und sedierende Wirkung hat und die Schlafzeit verlängern kann (Barbiturat-Schlafzeit-Test).

    • Quelle: Journal of Ethnopharmacology (PubMed)

  2. Entzündungshemmung und Arthrose

    • Titel: “Anti-catabolic and anti-inflammatory effects of myrcene in human chondrocytes”

    • Erkenntnis: Untersuchte die Wirkung von Myrcen auf Knorpelzellen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Myrcen das Fortschreiten von Arthrose verlangsamen und Entzündungen hemmen könnte.

    • Quelle: European Journal of Pharmacology

  3. Die Blut-Hirn-Schranke & Permeabilität

    • Hintergrund: Die Fähigkeit von Terpenen, die Haut- und Zellbarriere zu überwinden, wird in der transdermalen Medizin genutzt.

    • Quelle/Kontext: British Journal of Pharmacology: Taming the THC (Der berühmte Artikel von Dr. Ethan Russo über den Entourage-Effekt, der Myrcen als Schlüsselfaktor für Sedierung hervorhebt).

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Elena Mircheva

Forscherin und Autorin mit Schwerpunkt auf natürlichen Wirkstoffen. Beschäftigt sich intensiv mit den medizinischen Anwendungen von CBD, ätherischen Ölen und Heilpilzen. Verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischer Erfahrung zu fundierten Inhalten rund um Gesundheit und Wohlbefinden.

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